. .

Die ständige Bedrohung durch die Möglichkeit einer globalen Zerstörung

Mit dem Ende des Kalten Kriegs schien die Bedrohung durch einen globalen Atomkrieg nachzulassen. Dies wäre eine geeignete Gelegenheit gewesen, die Strukturen und die Logik der nuklearen Abschreckung zu zerschlagen – doch die Menschheit ließ sie ungenutzt verstreichen.
Trotz der Verpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag (NPT) von 1968 haben die offiziellen Atommächte bislang keine sinnvollen Abrüstungsmaßnahmen ergriffen, so dass die Bestände in den Atomwaffenarsenalen bisher nicht wesentlich reduziert wurden.

Überdies führt Nordkorea Atomwaffentests durch, und Israel setzt seine Politik nuklearer Zweideutigkeit hinsichtlich des Besitzes von Atomwaffen fort. Indien, Pakistan und Israel sind bis heute noch nicht dem Atomwaffensperrvertrag beigetreten. Die wirtschaftlichen Sanktionen, die der UN-Sicherheitsrat im Jahr 2007 gegen den Iran wegen seines umstrittenen Atomwaffenprogramms verhängt hatte, konnten bislang nicht zurückgenommen werden.

Solche Aktionen – beziehungsweise das Ausbleiben wichtiger Maßnahmen – haben den weltweit wichtigsten Schutz gegen die unkontrollierte Verbreitung von Atomwaffen ausgehöhlt. Zudem treten neue bedrohliche Formen der Verbreitung wie die durch den Nuklearterrorismus auf.

Welche nuklearen Waffentypen gibt es?

Als strategische Kernwaffen bezeichnet man Waffen, die Ziele im gegnerischen Hinterland verwüsten sollen, beispielsweise Städte oder Silos von Interkontinentalraketen. Taktische Kernwaffen mit geringerem Wirkungsradius sollen die gegnerischen Streitkräfte vernichten oder die Kommunikations- und Infrastruktur an der Front.

Zur ersten Generation von Kernwaffen gehören Atomoder Fissionsbomben. In den 1950er Jahren entwickelten sowohl die USA als auch die Sowjetunion thermonukleare Bomben oder Wasserstoffbomben mit einer extrem hohen Zerstörungskraft.
In den letzten Jahren wurde über die Entwicklung einer neuen Generation von Atomwaffen mit geringer Sprengkraft diskutiert. Dazu gehören die sogenannten Bunkerbrecher, die bislang sichere unterirdische Ziele zerstören sollen. Doch solche Waffen würden die Hemmschwelle zum Einsatz von Atomwaffen senken. Sie schaffen eine Akzeptanz für Atomwaffen und machen deren Einsatz wahrscheinlicher.

Wie viele Atomwaffen gibt es?

Das „Stockholm International Peace Research Institute“ (SIPRI) berichtet in seinem Jahrbuch 2011, dass noch circa 20.530 Atomsprengköpfe existieren – ausreichend, um alles Leben auf der Erde mehrfach zu zerstören.
Die USA und Russland haben die meisten Atomwaffen. Die USA verfügen über rund 8.500 Atomsprengköpfe und Russland über etwa 11.000. Mit der Unterzeichnung des neuen START-Vertrags haben sich beide Länder verpflichtet, die Anzahl der strategischen Atomsprengköpfe zu verringern.
Man schätzt, dass England 225 Atomsprengköpfe besitzt, Frankreich 300, China 240, Indien zwischen 80 und 110, Pakistan zwischen 90 und 110 und Israel 80.

„Fast jeder in der heutigen Welt fühlt sich unsicher, aber nicht jeder durch die gleiche Sache. Die Bedrohungen für die Menschen sind in den verschiedenen Teilen der Welt unterschiedlich brisant …
Wir benötigen gemeinsame und globale Strategien, um alle Bedrohungen zu erfassen.
Und tatsächlich kommen Regierungen zusammen – sei es in der UN oder an anderen Orten, um solche Strategien auszuarbeiten und durchzuführen. Der einzige Bereich, in dem es keine gemeinsame Strategie gibt, ist der, von dem die größte Gefahr ausgeht: die Kernwaffen.”
—Kofi Annan